Ausgabe 1_2016
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Die Mär von der «schönsten Nebensache» der Welt – ja, es geht um den Fussball – ist längst als eine ebensolche entlarvt. Und hätte es noch eines Beweises bedurft, dass der Fussball keine Nebensache, sondern vielmehr das ein und alles auf der Welt ist, so wäre er nach der Wahl des FIFA-Präsidenten am 26. Februar 2016 in Zürich erbracht worden. Für die «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ), ein eher zurückhaltendes Blatt und stets auf Etikette und (Eigen-)Lob der Umwelt bedacht, hat es nach der Wahl von Gianni Infantino zum FIFA-Präsidenten vorgegeben: «Notkandidat wird FIFA-Präsident», titelte die Gazette am Tag nach der Wahl auf der Frontseite. Wenigstens im Untertitel wird das Blatt dann seiner Qualifikation als Wirtschaftszeitung gerecht: «Gianni Infantino will viel Geld verteilen». Alles in allem bedeutet dies: Ein Notkandidat ist angetreten, um das Füllhorn auszuschütten! Dass diese Wertungen zutreffen, ist allerdings zu bezweifeln. Gleich nach der Berichterstattung der NZZ auf der Frontseite folgten zwei ganze Seiten, die sich nur mit dem Thema «FIFA-Präsidentenwahl» befassten. Zwar in der gewohnt defätistischen und freudlosen Art, aber immerhin. Die Zeitung wird trotz sinkender Auflagezahlen (vorderhand) immer noch beachtet – in der Schweiz und in den umliegenden Ländern insbesondere. Einen Tag nach der Wahl hat die «alte Tante» von der Falkenstrasse, wie die NZZ immer noch genannt wird, die wahren Relationen aufgezeigt: Der Fussball ist viel wichtiger als die Flüchtlingsströme in Europa, die desolate Situation in der Europäischen Union oder die griechische Wirtschaftskrise, die Europa demnächst wieder pekuniär belasten wird. Nein, durch solche Bagatellen lässt sich «König Fussball» nicht aus der Bahn werfen. Seine Regentschaft ist nach der Wahl des FIFA-Präsidenten unbestritten – auch wenn der «Kaiser» ab und zu schwächelt. Die Gewichtungen in den Medien (nicht nur in der NZZ) sind aussagekräftig, wenn es um den organisierten Fussball geht. Apropos: Gegenüber dem alles dominierenden Fussball hat Olympia einen schweren Stand. Das hat nicht nur das in Bezug auf die Olympischen Spiele negative Plebiszit im letzten Jahr in Hamburg gezeigt, von dem auch in dieser Ausgabe von Causa Sport die Rede ist. Olympia profitiert für gewöhnlich von seinem Nimbus; um Olympische Spiele wird regelmässig ein «Hype» entfacht, der auch die mediale Verwertbarkeit des «Produkts Olympia» befeuert. Im Vergleich zum Fussball ist der Wert von Olympia aber nicht einmal ansatzweise ein Äquivalent. Die Schlussfolgerung, Olympia ist überbewertet, dürfte wohl nicht abwegig sein.